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Vorträge 2018

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, in der "Heldenbar" des Grillo-Theaters, Theaterplatz 11, jeweils um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt ist in der Regel frei.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Dr. Bertold Heizmann (Essen):

«Ach, Freund, wohin ist Goethe gesunken!». Ein Theaterskandal im klassischen Weimar und das Scheitern des Projekts ‹Romantisierung der Antike›

Ein mit großen Erwartungen vom Schauspieldirektor Goethe inszeniertes Drama des Frühromantikers August Wilhelm Schlegel (Ion, wie die Iphigenie nach einer altgriechischen Vorlage des Euripides) endet schon nach wenigen Aufführungen mit einem veritablen Skandal. Goethe übt Pressezensur aus, indem er eine kritische Rezension seines Erzfeindes Böttiger zu verhindern sucht. Die Zuwendung Goethes zu den Brüdern Schlegel und sogar die Freundschaft mit Schiller und Wieland werden auf eine harte Probe gestellt. Seine Gegner triumphieren. Das sieht nicht gut aus für Goethe. – Der Vortrag leuchtet die Hintergründe aus, wie es zum Scheitern der «Romantisierung der Antike» kam.


Donnerstag, 15. März 2018

Nina Weniger und Johanna Hessenberg (Berlin):

«Vom Sonnenaufgang».
Der Struwwelpeter-Autor
Heinrich Hoffmann als Psychiater.
Musikalisch-literarische Aufführung

Der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894) wurde als Struwwelpeter-Autor weltberühmt. Sein Lebenswerk war jedoch die Reform der Psychiatrie Mitte des 19. Jahrhunderts. Als «Irrenhausdirektor» in Frankfurt am Main war seine Direktive, es  müsse «vor allem so sein, dass der Eintritt des Arztes in eine Abteilung etwas vom Sonnenaufgang an sich habe.»
Nina Weniger, Schauspielerin und Ur-, Ur-, Urenkelin von Heinrich Hoffmann, berichtet in dieser Lesung, musikalisch begleitet von ihrer Schwester, der Saxophonistin Johanna Hessenberg, von Hoffmanns Werdegang als Arzt, von seiner Position als «Irrenarzt» und von einer Zeit, in der man Psychologie noch gar nicht studieren konnte. Natürlich wird der «Struwwelpeter»  und seine – heute durchaus umstrittene – Pädagogik an diesem Abend ebenfalls eine Rolle spielen.
Eintritt: 10 € (ermäßigt 8 €).


Donnerstag, 12. April 2018, 18.00 Uhr
(Sonderveranstaltung in der Marktkirche [Markt 2,  45127 Essen] in Verbindung mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Marktkirche e.V.)

Samet Er (Hannover):

«Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen» - Ein notwendiger Blick auf eine vergessene
Islam-Rezeption in Deutschland


Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist derzeit auf eine harte Probe gestellt. Der «Islamismus» in seinen extremen Ausformungen lässt eine Tradition in den Hintergrund treten, die sich ideologiefrei mit dem Islam auseinandersetzt. Der Name der jüngst in Berlin eröffneten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sowie ein im Jahre 1995 erlassenes islamisches Rechtsgutachten, in dem Goethe zum Muslim erklärt wurde, lenken den Blick auf Goethe, der zweimal den Koran  gelesen und den islamischen Glauben bewundert, aber durchaus auch kritisiert hat. Warum sich Goethe und andere deutsche Dichter und Philosophen mit dem Islam beschäftigt haben und was wir heute davon lernen können, wird uns der Theologe und Germanist Samet Er berichten, der beruflich als Deradikalisierungsberater in niedersächsischen Justizvollzugsanstalten unterwegs ist.


Donnerstag, 26. April 2018

Dr. Heiko Postma (Hannover):

«Ich denke und spreche nichts als von Goethen». Über den Schriftsteller und Adlatus Johann Peter Eckermann (1792-1854)

Neun Jahre lang, von 1823 bis 1832, stand sein Leben nahezu total im Zeichen Goethes. Er war der (unbezahlte) «Adlatus» des Dichterfürsten, sein unermüdlicher Helfer, Chronist, Gesprächspartner und Anreger, der dem Dienst am Meister alles unterordnete – sein Privatleben genauso wie seine beruflichen Perspektiven. Kurz gesagt, er war Goethes «Eckermann», und in diesem Belang ist sein Name geradezu sprichwörtlich geworden.
An spöttischen Auslassungen über den Getreuen hat es freilich – von Heine bis Walser – nicht gefehlt. Der Referent liefert ein Por-trät dieses Schriftstellers, der in kargsten Verhältnissen aufgewachsen war, der unter größten Entbehrungen nach «Bildung» strebte und der schließlich in Weimar das Ziel aller Mühen fand – bei «seinem» Goethe. Und selbstverständlich gibt es dazu allerlei aufschlussreiche Passagen aus den Gesprächen mit Goethe, dem Buch, das Eckermanns Nachruhm unvergänglich machte.


Donnerstag, 17. Mai 2018

Dr. Nikolaus Gatter (Köln):

«Für die Großherzogin einige Blumen ausgeschnitten».
Karl August Varnhagen von Ense am Hof der Maria Pawlowna und sein Plan zur Gründung einer Goethe-Gesellschaft

Der Erzähler, Biograph, Tagebuchschreiber und Diplomat Karl August Varnhagen von Ense weilte mehrfach in Weimar, war mit Goethe befreundet und unterhielt einen regen Briefwechsel mit der Großherzogin Maria Pawlowna. Er hat dort an der großherzoglichen Tafel nicht nur «zum ersten Mal in [s]einem Leben Wurstsuppe» gegessen, sondern auch  «für die Großherzogin einige Blumen ausgeschnitten». Nikolaus Gatter, Vorsitzender der Varnhagen-Gesellschaft in Köln, berichtet über eine dieser «Blumen», nämlich über einen bislang unbekannten Entwurf zur Gründung einer «Goethe-Gesellschaft» als einer Art Akademie der Künste und Wissenschaften, den Varnhagen 1834 vorlegte (und der dann an Metternich scheiterte).
Der Vortrag wirft somit ein denkwürdiges Schlaglicht auf die Vorgeschichte der deutschen Goethe-Gesellschaften.


Donnerstag, 7. Juni 2018

Barbara Kiem (Freiburg i. Br.):

Johann Gottfried Herders Betrachtungen zur Musik

Was empfinden wir beim Hören von Musik? Wie wird die Wahrnehmung von Tönen in seelisches Erleben umgesetzt? In immer neuen Anläufen hat Johann Gottfried Herder, ein unermüdlicher Prediger der Humanität und einer der großen geistigen Anreger des 18. Jahrhunderts, die ‹Psychophysiologie› der Sinne zu ergründen versucht.
Herders musikgeschichtliche Bedeutung wird stets in Zusammenhang mit seinen Volksliedsammlungen und deren Wirkungsgeschichte gesehen. Der Vortrag zeigt eine seiner weniger bekannten Seiten: seine Teilnahme an der musikästhetischen Diskussionen seiner Zeit – allerdings eher als Kritiker. Er beklagte, dass niemand sich um das Wich­tigste kümmere: wie nämlich der Ton als Ton auf die menschliche Seele wirke. Keine der Theorien sei fähig, die Empfindungen zu erklären, die den Menschen beim Hören von Musik bewegen können.
Barbara Kiem ist uns durch ihre feinsinnigen Vorträge über die ‹Arabeske› sowie die ‹Äolsharfe› bestens bekannt.


Donnerstag, 6. September 2018

Prof. Dr. Hans-Joachim Kertscher (Halle)

Begegnungen mit der Antike: Klopstock, Wieland, Voß und Goethe
Seit der Aufklärung ist man sich einig, in der Literatur und bildenden Kunst der griechischen Antike Vorbilder für die eigene Programmatik zu finden. Aber wie sollte dieser Prozess der Aneignung vonstattengehen?  Hinsichtlich der Kunst kam seit Winckelmann nur der Gedanke der Mimesis, der Nachahmung, in Frage. Die Rezeption literarischer Werke hingegen konnte nur durch geeignete Übersetzungen ins Deutsche in Gang gebracht werden. Doch hier schieden sich die Geister. Wie kann der griechische Hexameter in einen deutschen umgewandelt und damit auch dem deutschen Hör- und Lesevergnügen nahegebracht werden? Der Vortrag stellt Übersetzungs-Modelle von vier bedeutenden Dichtern (Christoph Martin Wieland, Johann Heinrich Voß, Friedrich Gottlieb Klopstock und Johann Wolfgang Goethe) vor, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen boten.


Exkursion

Auch in diesem Jahr soll wieder eine Exkursion durchgeführt werden:
vom 28. bis 30. September nach Marbach am Nackar statt. Nähere Informationen beim Vorstand



Donnerstag, 11. Oktober 2018

Dr. Jürgen Klose (Dresden)

Verlorene Söhne, verlorene Töchter.
Bemerkungen zu Karl Mays Kolportageroman Der verlorne Sohn

Im Mittelpunkt des Vortrags steht der dreitausendseitige Kolportageroman Der verlorne Sohn. Zwar sind alle Karl-May-Texte mehr oder weniger verschlüsselt autobiographisch, doch in keinem anderen Werk werden die Bezüge so kompakt sichtbar. Handlungsorte sind nur geringfügig verfremdet – Dresden, das Erzgebirge und Mays Zuchthausstation Waldheim. Der Referent – Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Dresden – versucht, soweit dies ein Germanist kann, auch eine psychologische Deutung. Außerdem werden Relationen zu den großen Motiv- und Konstruktionsvorläufern Die Geheimnisse von Paris von Eugene Sue und dem Grafen von Monte Christo des älteren Dumas herausgearbeitet. Überraschend ist zudem, was Karl May und Amy Winehouse verbindet …


Donnerstag, 15. November 2018

Dr. Dieter Strauss (München)

Faust ist einer von uns oder: Zum Teufel komm raus. Teufelspakt und Erlösung bei Johann Wolfgang von Goethe, Thomas und Klaus Mann
Eine Reise durch Thomas Manns Doktor Faustus, Goethes Faust I und II sowie Klaus Manns Mephisto. Sie paktieren alle mit dem Satan, der neue Faust Thomas Manns, der klassische Faust und Klaus Manns Generalintendant. Eindeutig gerettet wird nur einer und Deutschland geht zweimal unter. Geht dabei alles zum Teufel?
Als Weggefährten begleiten wir diese fanatischen Ich-Shows, diese rastlosen Reisen vor allem durch das 19. und 20. Jahrhundert. Man glaubt dabei, die Bücher zu hören und die deutschen schicksalhaften Katastrophen vor Augen zu haben, die nicht aufhören dürfen, uns zu beschäftigen, weil sie wiederkehren können.

Der Referent Dieter Strauss ist Germanist, arbeitete 33 Jahre für das Goethe-Institut in vier Kontinenten und lebt heute als freier Sachbuchautor, Referent und Ausstellungsorganisator in München. Er bereitet derzeit ein Buch zu dem Faust-Stoff vor.


 
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