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Vorträge 2020

Die Veranstaltungen finden, sofern nicht anders angegeben, in der "Heldenbar" des Grillo-Theaters, Theaterplatz 11, jeweils um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt ist in der Regel frei.

Donnerstag, 30. Januar 2020
Arin Haideri (Bielefeld):

 «Für 10 Mark kommt man in die beste Gesellschaft!» – Die Gründung der Goethe-Gesellschaft im Kaiserreich

Zum Auftakt der Vortragsreihe in unserem Jubiläumsjahr wirft die Bielefelder Historikerin Arin Haideri einen Blick auf die Konstituierung und Etablierung der 1885 gegründeten «Goethe-Gesellschaft in Weimar», der sich dann später die Ortsvereinigungen anschlossen. Bemerkenswert an dieser literarischen Gesellschaft ist nicht nur ihr Alter, sondern auch ihre Geschichte. Ununterbrochen organisiert sie seit knapp 135 Jahren Goethes Nachruhm. Immer im Kontext und in Auseinandersetzung mit der historisch-politischen Lage changiert die Arbeit der Goethe-Gesellschaft spannungsreich zwischen der Verehrung, Erforschung und Politisierung ihres Namensgebers. In dieser frühen Phase der Goetheverehrung gelangte man tatsächlich «für 10 Mark in die beste Gesellschaft». 


Donnerstag, 27. Februar 2020
Achtung: Beginn 17.30 Uhr !!
Prof. Dr. Rainer Holm-Hadulla
(Heidelberg) 

«Sympathy for the Devil» - Die künstlerische Bewältigung des Bösen am Beispiel von J. W. Goethe und Mick Jagger 


«Sympathy for the Devil»,  die künstlerische Bewältigung des Bösen, ist ein Generalbass von Goethes Faust. Der «Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft», entstammt einer langen Kulturgeschichte und wird auch in der Moderne immer wieder inszeniert. «Sympathy for the Devil», einer der bedeutendsten Pop-Songs unserer Zeit, bezieht sich auf Goethe und besingt die Notwendigkeit, sich mit dem Bösen auseinanderzusetzen. Die Polarität der menschlichen Existenz zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse hat Goethe auf einzigartige Weise durchlebt. Sein Thema, dass Kulturarbeit die einzige Chance ist, menschliche Destruktivität zu bewältigen, prägt auch das Werk  Sigmund Freuds. Es erweist sich: Das Streben nach dem ‹Guten, Wahren und Schönen› ist kein luxuriöser Zeitvertreib, sondern lebensnotwendig.
Prof. Holm-Hadulla ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Zur vorbereitenden Lektüre seien empfohlen: Leidenschaft – Goethes Weg zur Kreativität (3. Aufl. 2019); Kreativität zwischen Schöpfung und Zerstörung (2011)


Donnerstag, 26. März 2020
Dr. Bertold Heizmann (Essen):

Kraftgenies im Kastratenjahrhundert. Wandlungen des künstlerischen Selbstverständnisses im 18. Jahrhundert

Das künstlerische Selbstverständnis erfährt im 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Neufassung des Geniebegriffs eine grundlegende Wandlung. Seit der Antike war es die Aufgabe der Kunst, die Natur nachzuahmen, dann war die Kunst der Antike selbst das Vorbild, das es nachzuahmen galt, um selbst, nach einem paradoxen Satz des Italienreisenden Johann Joachim Winckelmann, «unnachahmlich» zu werden. Dies konnte den jugendlichen Dichtern, die die Epoche des «Sturm und Drang» prägten, nicht genügen; sie fühlten in sich eigenschöpferische Kräfte und setzten den bislang geltenden Vorbildern das Prinzip der Originalität entgegen. Dies gilt nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer und sozialer Hinsicht, wie insbesondere die Jugenddramen Schillers kraftvoll zum Ausdruck bringen. Als Höhepunkt und Sinnbild dieser Bewegung kann Goethes Prometheus gelten, der in seiner Auflehnung gegen Zeus das «Genie» und damit das Selbstbewusstsein nicht nur des Dichters, sondern des modernen Menschen überhaupt verkörpert.


Donnerstag, 7. Mai 2020
Prof. Dr. Jochen Golz (Weimar):

«Was du ererbt von deinen Vätern…»
Goethe im 21. Jahrhundert

Auch im 21. Jahrhundert stellt Goethe eine wichtige Stimme im geistigen Leben dar, wie aktuelle Debatten beweisen. Nach wie vor gehört er zu den deutschen Autoren, die häufig übersetzt werden; vor allem sein «Faust» ist immer wieder auf Theaterspielplänen zu finden. Die Frage nach den Gründen für Goethes Aktualität steht im Mittelpunkt des Vortrags, der einige Aspekte in den Vordergrund rückt: Goethes Haltung zur Migration, sein Plädoyer für historisches Denken, das wechselseitiges Verstehen und Achten befördert, sein Denken über die Natur, über Moralität und Politik. All dies erzeugt die Modernität seiner Dichtung, von der besonders sein «West-östlicher Divan» und sein «Faust» Zeugnis ablegen.

Prof. Dr. Golz war 20 Jahre lang Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar. Seit 2019 ist er deren Vizepräsident

Donnerstag, 14. Mai 2020
Veranstaltung des Historischen Vereins Essen in Kooperation mit der Goethe-Gesellschaft Essen e.V.
Ort: Haus der Essener Geschichte
Ernst-Schmidt-Platz 1, 18.00 Uhr
Dr. Jürgen Lodemann

Ermordung einer Hauptfigur.
Siegfried im Epos und bei Richard Wagner

Zu einem Vortrag begrüßen wir den Schriftsteller Jürgen Lodemann wieder in seiner Geburtsstadt Essen: Er versucht nicht weniger als eine Neudeutung des Nibelungen-Epos als einer ursprünglich christlichen Friedensbotschaft. Das um 1200 entstandene Nibelungenlied, von geistlichen Verfassern geschaffen, ist laut Lodemann ein frühes hochliterarisches Dokument deutscher Sprache, folgenreich verfälscht von nationalistischer Germanistik und am wirksamsten und weltweit von Richard Wagner.

In seinem jüngsten Buch Mars an Erde (2020) erweist Lodemann noch einmal Essen, dem Ruhrgebiet, dem Bergbau – und Goethe seine Reverenz.


Donnerstag, 18. Juni 2020
Dr. Günther Kraus (Nürnberg)
«Denn er war unser!»
Goethe und die deutschen Exilanten 1933-1945

Nicht nur bei Schiller, den die Nationalsozialisten gerne als einen der «Ihrigen» feierten, kam es im Dritten Riech auch bei Goethe zu teilweise grotesken Vereinnahmungen (Goethe als Verkünder des wahren Deutschtums, Goethe als Judenfeind usw.). Für viele Exilanten war er hingegen insofern von großer Bedeutung, als seine Texte Material für den Kampf gegen das NS-Deutschland von außen boten; sie spendeten auch Manchem Hoffnung und gaben Trost in trostlosen Zeiten. Man fand bei ihm die geistige Heimat, die real verloren gegangen war. So ist es nicht verwunderlich, dass der Dichter selbst auch zum Gegenstand in der Dichtung wurde, etwa in Thomas Manns Roman Lotte in Weimar. Ebenso wurden Goethes Dramen während der NS-Zeit – vor allem in der Schweiz mit exilierten deutschen Schauspielern – aufgeführt.


Freitag, 28. August 2020
Wir feiern
100 Jahre
Goethe-Gesellschaft Essen!

11.00 Uhr: Festakt im Ratssaal des Rathauses
Begrüßung: Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen
Grußwort: Dr. Bertold Heizmann, Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Essen
Festvortrag:  Dr. Dr. h.c. Manfred Osten

Musikalische Gestaltung durch Schülerinnen und Schüler der Goetheschule Essen-Bredeney

Anschließend Empfang in der 22. Etage des Rathauses

Ab 18.00 Uhr: Feier im Hotel «Essener Hof» mit literarisch-musikalischem Programm

Einladungen und detailliertes Programm gehen Ihnen rechtzeitig zu.


Donnerstag, 24. September 2020
Dr. Egon Freitag (Weimar):

«Wenn man kein Liebchen erwartet, gibt’s keine Nacht mehr». Goethe und die Liebe

Die Liebe, das unerschöpfliche Thema, war für Goethe eine Quelle der Inspiration, die große Triebkraft seiner Dichtungen. «Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten», heißt es in der «Iphigenie, und der Dichter bekannte: «Liebesgedichte habe ich nur gemacht, wenn ich liebte». Einige davon, die Anstoß hätten erregen können, weil er wusste, «was den alten Griechen zu sagen erlaubt war, will uns zu sagen nicht mehr anstehen», wurden erst lange nach seinem Tod veröffentlicht. Glück und Verlangen, Hoffnung und Enttäuschung finden ihre literarische Gestaltung z. B. in den «Römischen Elegien», im «West-östlichen Divan», in der «Trilogie der Leidenschaft», im Briefroman «Die Leiden des jungen Werthers». Aber auch im «Wilhelm-Meister»-Roman, in den «Wahlverwandtschaften» und in vielen Dramen, z. B. in «Clavigo», «Stella», «Egmont», «Torquato Tasso» und im «Faust», spielt die Liebe eine maßgebliche Rolle.
Zu diesem Thema hat Egon Freitag eine Monographie verfasst: Goethe und die Liebe (Schnell-Verlag, Warendorf).


Donnerstag, 29. Oktober 2020
Dr. Dieter Strauss (München)

Engel sollen nicht sterben: Über die Legende Marlene Dietrich

«Marlene Dietrich, ein Name, der mit einer Liebkosung beginnt und mit einem Peitschenknall endet»
(Jean Cocteau): Das bunte Leben der  Marlene Dietrich, dessen Reiz uns in Bann zieht wie der «Blaue Engel» den Professor Unrat, wird mit diesem Zitat treffend beschrieben. Von dem «Girl am Kudamm» der zwanziger Jahre mit dem Welterfolg des «Blauen Engel» reicht der Vortrag über ihre berühmten Hollywoodfilme wie «Marokko» (1930) mit der Schaffung des geheimnisvollen Dietrich-Gesichtes bis hin zu ihrer Betreuung amerikanischer Truppen im 2. Weltkrieg und ihren anschließenden Welttourneen als Sängerin bis Mitte der siebziger Jahre und ihren letzten Krankheitsjahren in Paris.
Der Referent Dr. Dieter Strauss arbeitete 33 Jahre für das Goethe-Institut in vier Kontinenten und sieben Ländern. Er lebt heute als freier Referent und Sachbuchautor in München. Sein Vortrag ist mit zahlreichen Bild und Tonbeispielen versehen.

Donnerstag, 19. November 2020
Prof. Dr. Uwe Hentschel (Chemnitz)

Die Utopie der vernünftigen Lust.
Zur erotischen Literatur des 18. Jahrhunderts 

Ob Sozialkritik, Religionskritik oder Literaturkritik – auf fast allen Gebieten war das Zeitalter der Aufklärung bestrebt, Tabus und Dogmen zu durchbrechen und die Autonomie des Menschen zu postulieren. Dagegen bewegt sich das Verhalten der Autoren sowie das der bürgerlichen Leserschaft im Hinblick auf die Sexualität in einem seltsamen Widerspruch: Einerseits sollte die Sexualität als elementares Bedürfnis anerkannt werden, andererseits musste eben dieses Verlangen in der Öffentlichkeit verborgen werden. So liefern etwa die Gedichte des Königsberger Kriegs- und Steuerrates Johann Georg Scheffner (1736–1820) ein bezeichnendes Beispiel, wie schwierig es im Jahrhundert der Aufklärung war, sich öffentlich zu einer hedonistischen Erotik zu bekennen. Für Christoph Martin Wieland, selbst einer spielerischen Erotik zugeneigt, stellen die Texte Scheffners sogar „ekelhafte Obszönitäten“  dar. Angesichts der Schwierigkeiten, sexuelles Begehren offen und unverbrämt zur Anschauung zu bringen, betrieben viele Autoren einen immensen Aufwand, um unerkannt zu bleiben.
Der Referent lehrt Germanistik an der Technischen Universität Chemnitz.


 
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